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Schlafberater "Liegeeigenschaften"

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Liegesysteme - Damit sie das wichtigste Drittel Ihres Lebens unter den allerbesten Bedingungen verbringen.
Süßer Schlaf, Du kommst wie reines Glück !
(J. W. von Goethe)
Richtig Liegen - gesund Schlafen -  aber wie?

Wie lange kann ein Mensch ohne Schlaf leben? Ganz genau weiß das niemand. Die ersten Untersuchungen unternahmen amerikanische Forscher schon im letzten Jahrhundert. Bei allen Ergebnissen bis heute steht eins fest: Schlafmangel macht uns krank! Vor allem führt Schlafmangel zum Zusammenbruch unseres Immunsystems. Schlaf ist also nicht nur erholsam, sondern  lebenswichtig.

1/3 unseres Lebens verbringen wir mit Schlaf. In der Nacht laufen alle wichtigen Regenerationsphasen ab. Der Hormonausschuss wird angehoben und alle nicht der Regeneration dienenden Funktionen und Aktivitäten des Organismus werden herabgesetzt.

Der gesunde und erholsame Schlaf wird durch viele Faktoren beeinflusst:  Körperliche Arbeit, Umgang mit Stress, Ernährung, Raumtemperatur, Schlafraumhygiene und vieles mehr. Kaum etwas beeinflusst unseren Schlaf aber dermaßen, wie unsere Matratzen oder Liegesysteme!

 
Welche Matratzentypen und Systeme kennen wir?

Federkernmatratzen sind hierzulande die am häufigsten verkauften und von der Stiftung Warentest am schlechtesten bewerteten Matratzen! Eine Weiterentwicklung sind die Taschen- oder Taschentonnenferderkernmatratzen. Hier sind die Metallspiralen in kleinen Säckchen eingenäht. In den herkömmlichen, meist billigen Federkernmatratzen sind die Spiralen entweder in einer endlosen Reihe mit einander verflochten (Endlosfederkern) oder die Federn sind einzeln nebeneinander gesetzt (Taillenfederkern).

Latexmatratzen bestehen aus Naturlatex, der aus der Milch des Kautschukbaumes hergestellt, der z.B. in Indonesien oder Sri Lanka wächst.  Synthetiklatex der allergenfreundlicher sein soll wird im Gegensatz zum sehr allergisch wirkenden Naturprodukt sehr energieaufwendig aus Erdöl gewonnen, ist also genaugenommen ein Kunststoff! Von Stiftlatex spricht man, wenn der Kern von kleinen Luftkanälen durchzogen ist. Beim Kavernenlatex sind größere Hohlräume integriert.
Jean Pütz und die Verbraucherverbände empfehlen bei Latexmatratzen darauf zu achten, dass die Polsterschichten nicht mit dem Innenleben verklebt sondern versteppt sind. Klebefläche verhindert nämlich den Luft- und Feuchtigkeitsaustausch.

Schaumstoffmatratzen aus gut aufgeschäumtem Polyurethan können was den Liegekomfort angeht inzwischen durch aus mit Latex, Federkern- oder Naturmatratzen konkurrieren. Oft bestehen sie auch heute leider nur aus einem einfachen Stück, die besseren sind aber schon durch zahlreiche Zonen oder Löcher, Hohlräume oder Luftkanäle durchzogen. Entscheidend bei Schaumstoffmatratzen sind  der Aufbau, die Anpassungsfähigkeit sowie beim Material Raumgewicht und Stauchhärte. Hier gilt: Je höher das Raumgewicht, desto formstabiler die Matratze.

Kaltschaummatratzen lösen immer mehr die klassische PUR Matratze ab. Sie entstehen mit Hilfe von Wasser. Das Innovative ist die Reduzierung der Grundstoffe auf nur zwei Basiskomponenten, die mit einem Katalysator und Wasser als Treibmittel emulgiert werden. Durch die während des Emulgierens freigesetzte Wärme wandelt sich das Wasser in Wasserdampf um, der das Polstermaterial aufschäumt. Der Vorgang ist vergleichbar mit dem Aufgehen von Brotteig. Insbesondere enthält es keinen der zahlreichen Zusätze, die bei herkömmlichen Produkten zum Einstellen der Materialeigenschaften benötigt werden. Spezifisches Gewicht, Weichheit, Festigkeit, Dehnung und Elastizität werden allein durch Veränderung der Mengen der beiden Basiskomponenten und des Anteils der zum Emulgieren erforderlichen Wassermenge bestimmt.  Die Vielschichtigkeit ist aber auch das Problem. Es ist sehr aufwendig  gut stützende Matratzen herzustellen.

Naturmatratzen werden meist aus mehreren natürlichen Materialien in Lagen übereinandergeschichtet. Am häufigsten findet man Schafwolle, Baumwolle oder Leinen. Für die Festigkeit sorgt meist ein Kern aus Latex oder Kokosfasern. Mediziner empfehlen  sich bei Verdacht auf Allergien sich auf jeden Fall eine Materialprobe geben zu lassen, um zu vermeiden, dass Ihnen im Bett plötzlich die Augen tränen.

Viscoelastische Matratzen werben mit einem Schaumstoff aus der Raumfahrt. Sie sollen sich besonders gut anpassen, sind zumeist aus einem Stück. Besser  geeignet erscheint den meisten Schlafforschern die Kombination mit anderen Materialien wie z. B. Kaltschaum. Bedacht werden sollte auch, das die Anpassungsfähigkeit sehr von der Raumtemperatur  abhängig ist. Hier gilt vor allem bei sehr dicken Schichten, dass diese sich erst bei über 20 Grad Celsius gut dem Körper anpassen.

Lattenrost. Alle aufgeführten Matratzen benötigen einen Lattenrost. Es gibt starre Lattenroste bei denen die Querlatten fest mit einem Rahmen verbunden sind und flexible Lattenroste. Hier  stecken die Latten meist in elastischen  „Schuhen“, oder sind nebeneinander auf einem Stoffgurt befestigt. Als Faustregel gilt noch heute im Fachhandel: weiche Matratze starrer Lattenrost – harte Matratze flexibler Lattenrost. So einfach ist es allerdings nicht!

Wasserbetten  sprechen meist gezielt kreuzschmerzgeplagte Kunden an. Und in der Tat geben 90% der Wasserbettenschläfer an weniger oder gar keine Rückenprobleme mehr zu haben.  Wasser ist nicht komprimierbar und kann so bei richtiger Befüllung eine sehr gute Unterstützung geben.   Durch die optimale Druckverteilung kommt es auch zu wesentlich weniger Dreh- und Wendebewegungen. Als besonders angenehm wird die zusätzliche Wärmezufuhr erachtet. Wasserbett ist nicht gleich Wasserbett. Das Liegegefühl ist auf Grund der unterschiedlichen Folien und Textilien durchaus unterschiedlich.

Luftbetten  sprechen ebenfalls kreuzschmerzgeplagte Kunden an. Zwar ist Luft im Gegensatz zu Wasser komprimierbar – durch die individuelle Einstellbarkeit aber gut geeignet um Druckentlastungen durchzuführen.
Allerdings muss bei Luftbetten auf das Zusammenspiel mit anderen Materialien geachtet werden.          

 
Richtig Liegen

Im Liegen ist der Rücken vom Körpergewicht und vom Druck auf die Wirbelkörper befreit, die Muskulatur kann sich entspannen, die Bandscheiben nehmen aus dem umliegenden Gewebe wieder Flüssigkeit auf. Das geschieht vor allem während der Nachtruhe; deshalb ist eine ausreichende Ruhezeit für den Rücken besonders wichtig.

Während des Schlafens ändert sich die Körperstellung unwillkürlich viele Male. Da die Schlafbewegungen unbewusst ablaufen, lässt sich nur die Einschlafstellung „trainieren", und das auch nur in Grenzen.

Schlafen in der Seitenlage: Diese Schlafstellung gilt als die günstigste für das Rückgrat - am besten mit leicht angewinkelten Beinen. Auf einer körperunterstützenden Matratze liegt die Wirbelsäule auf der Seite in ihrer natürlichen Form, ohne sich krümmen oder verdrehen zu müssen.

• Legen Sie den Kopf zur Unterstützung von Hals und Nacken auf ein kleines, nicht zu dickes Kissen. Zu hohe oder prall gefüllte Kissen zwingen die Halswirbelsäule in eine ungünstige, seitlich gebogene Stellung. Die Nackenmuskulatur kann sich verspannen, und Sie wachen mit einem „steifen Hals" auf.

Das Schlafen in der Seitenlage müssen Sie bei vielen herkömmlichen Matratzen ausgleichen und  stabilisieren, Experten der Stiftung Warentest raten: Schieben Sie dafür ein Kissen oder die Bettdecke zwischen die Knie.

Schlafen in Rückenlage: Wenn Sie am liebsten auf dem Rücken einschlafen, gibt es auch hier wieder den Rat der Stiftung Warentest und einigen Orthopäden: „Sie sollten sich auf jeden Fall ein dickeres Kissen unter Ihre Knie legen“. Die dadurch leicht angewinkelten Beine entlasten den Lendenwirbelbereich und beugen einem Hohlkreuz vor. Auch in der Rückenlage benötigen Sie ein anpassungsfähiges Kissen als Kopf- und Nackenstütze.

Schlafen in Bauchlage: Sie ist, vor allem für schwergewichtige Menschen, die ungünstigste Schlafposition für den Rücken. Wenn möglich, sollten Sie diese Haltung meiden oder versuchen sich abzugewöhnen. Dies gilt vor allem dann, wenn Sie bereits Beschwerden im Lendenwirbelsäulenbereich haben und erst recht, wenn Sie an den Bandscheiben operiert wurden. In der Bauchlage krümmt sich das Rückgrat leicht zum Hohlkreuz, im Nackenbereich muss es sich verdrehen, damit der Kopf auf die Seite gelegt werden kann. Meist wird die gesamte Schultermuskulatur in dieser Stellung beansprucht - entsprechend verspannt können Sie aufwachen.

Um sich die Bauchlagen-Einschlafstellung allmählich abzugewöhnen, hilft es, wenn Sie das Fußende hochstellen. Solange Sie nur in der Bauchlage schlafen können, sollten Sie sich auf jeden Fall ein flaches, festes Kissen unter den Bauch legen, um der Hohlkreuzbildung entgegenzuwirken.

Wie sieht denn nun nach Meinung der Stiftung Warentest, Jean Pütz (Hobbythek) und den meisten Orthopäden die richtige Liegestelung aus?

 
Die richtige Matratze

Matratzen mit guten körperunterstützenden Eigenschaften in Kombination mit einem guten Unterbau ermöglichen den Bandscheiben am besten, Flüssigkeit zu sammeln und sich zu erholen. Die optimale Matratze verteilt das Druckgewicht des Körpers gleichmäßig: Sie gibt dort nach, wo der Druck am größten ist, nämlich unter der Hüfte und den Schultern; gleichzeitig stützt sie die Taille und die Beine. So bleibt die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Form.

Allzu weiche oder allzu harte Matratzen hingegen lassen das Rückgrat durchhängen oder zwingen es sich zu krümmen, was Muskelverspannungen provoziert. Zu spüren ist dies meist am nächsten Morgen, wenn man mit Rückenbeschwerden aufwacht.

Wir sind der Meinung, dass erst einmal herausgestellt werden muss, von welchen Faktoren das richtige Liegen als Voraussetzung für gesunden Schlaf abhängig ist:

Um die Effektivität von Liegesystemen beurteilen zu können, ist es sinnvoll, biomechanische Gesetzmäßigkeiten zu betrachten, da beispielsweise die Wechselwirkung zwischen einer Matratze und einem darauf liegenden Menschen erklärt werden kann. Daher soll zunächst eine Definition des Begriffs Biomechanik gegeben werden:

 
Die Biomechanik

Die Biomechanik untersucht Kräfte, die von außen auf ein biologisches System oder innerhalb dieses Systems wirken, und die Effekte, die von solchen Kräften verursacht werden.

Das bedeutet speziell für die Biomechanik des Liegens, dass zum einen Kräfte untersucht werden, die auf den liegenden Menschen wirken, und zum anderen die dadurch hervorgerufenen Effekte. Wie aus dem Begriff Biomechanik selbst aber auch aus der Definition hervorgeht, handelt es sich um eine interdisziplinäre Vorgehensweise mit den Teilbereichen Biologie und Mechanik. Erzeugt ein Kugelstoßer eine Kraft, die auf eine Kugel übertragen wird, so wird diese Kugel in Bewegung gesetzt. Das bedeutet gemäß der Definition der Biomechanik, dass der Effekt der Kraft eine Bewegung ist. Nun hat das Liegen auf einer Matratze sehr wenig mit Bewegung zu tun. Ist daraus zu folgern, dass keine Kraft wirkt, wenn keine Bewegung zu erkennen ist?  Dass diese Folgerung nicht zulässig ist, soll das Beispiel Tauziehen verdeutlichen. Wenn an den beiden Seilenden mit jeweils gleicher Kraft gezogen wird, so entsteht keine Bewegung, sondern das Seil bleibt in Ruhe. Allerdings wird das Seil auf Zug beansprucht. Analog dazu könnte beispielsweise eine Stange auf Druck beansprucht werden, wenn die beiden Personen mit gleicher Kraft gegen die Stange drücken würden. Das bedeutet, dass eine Kraft nicht nur eine Bewegung erzeugen, sondern auch als Materialbeanspruchung wirksam werden kann. Dieses kann noch einmal an dem Beispiel Halten einer Kugel verdeutlicht werden. Die Kugel in der Hand befindet sich in Ruhe. Dennoch wirken zwei Kräfte, die Gewichtskraft der Kugel wirkt nach unten und die Haltekraft des Armes genau entgegengesetzt. Der Unterarmbeugemuskel (Bizeps) erzeugt eine Kraft in Pfeilrichtung, hält also den Unterarm in der waagerechten Position. Gleichzeitig drückt die Gewichtskraft der Kugel den Unterarm nach unten, so dass der Muskel auf Zug beansprucht wird.
Für den Menschen, der in Ruhe auf einer Matratze liegt, ist entsprechend zu folgern, dass er bzw. Teile von ihm durch die Unterlage beansprucht werden.

Da der menschliche Körper nicht so homogen geformt ist wie eine Kugel, ist die Gewichtskraft allein nicht das entscheidende Beanspruchungskriterium, sondern auch wie sich die Kraft verteilt. Der Unterschied besteht in der Kontaktfläche. Während der Körper auf einer harten unnachgiebigen Unterlage auf nur vier Punkten gelagert ist (Kopf, Brustwirbelsäule, Gesäß und Ferse), liegt er auf einer nachgebenden , anpassungsfähigen Unterlage auf der gesamten Fläche auf, was geringere Druckwerte als oben verursacht. Der Druck ist also über das Verhältnis zwischen Kraft und Fläche definiert:
 
Druck = Kraft / Fläche

Das bedeutet, dass der Druck steigt, wenn die Kraft ansteigt oder wenn die Fläche geringer wird.  Bezüglich der Druckbeanspruchung beim Liegen auf einer Matratze ist daher das Ziel zu formulieren, die Kontaktfläche zu vergrößern, da die Gewichtskraft nicht zu variieren ist. Wenn diese Anforderung an eine Matratze erfüllt werden soll, sind Kenntnisse über die Anatomie des Menschen, insbesondere der Wirbelsäule erforderlich.
 
Anatomie

Der Teil des menschlichen Körpers, der das größte Gewicht besitzt und die größte Fläche abdeckt, ist der Rumpf. Dabei ist die Wirbelsäule als knöcherne Struktur und deren besondere Form ein entscheidendes Element. Die menschliche Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln, die gelenkig miteinander verbunden sind, wodurch die Beweglichkeit der Wirbelsäule und damit des gesamten Oberkörpers gewährleistet wird. Die Wirbelsäule wird eingeteilt in 7 Hals-, 12 Brust- und 5 Lendenwirbel sowie dem Kreuz- und Steißbein, deren Einzelwirbel fest zusammengewachsen sind. Der Verlauf der Wirbelsäule ist von hinten betrachtet (Frontalansicht) gerade. Bei einer unphysiologischen seitlichern Neigung wird von einer Skoliose gesprochen. Von der Seite betrachtet (Sagittalansicht) nimmt die Wirbelsäule einen doppelt s-förmigen Verlauf.  Sie ist im Halsbereich nach vorne, im Brustbereich nach hinten, im Lendenbereich nach vorne und im Kreuzbeinbereich nach hinten gewölbt. Eine Wölbung nach vorne heißt Lordose, eine Wölbung nach hinten Kyphose. Das bedeutet, die normale Wirbelsäule besitzt eine Hals- und Lendenlordose sowie eine Brust- und Kreuzbeinkyphose. Unphysiologische Abweichungen können beispielsweise ein Flachrücken, bei dem die Ausformungen im Brust- und/oder Lendenbereich fehlen, ein Rundrücken, was eine Überkyphosierung der Brustwirbelsäule ist, oder ein Hohlrücken, womit eine Überlordosierung der Lendenwirbelsäule gemeint ist, sein.

Jeder Wirbel besteht aus einer Deckplatte, die den wesentlichen Baustein zur Kraftübertragung und damit zur Stabilität darstellt. Hinter der Deckplatte befindet sich der Wirbelkanal, der durch einen knöchernen Ring umgeben ist. Durch diesen Kanal verläuft das Rückenmark, welches neben dem Gehirn zum Zentralen Nervensystem gehört. Zwischen den Wirbeln verlassen die einzelnen Nervenbahnen das Rückenmark, so dass das Rückenmark von oben nach unten immer schmaler wird, was ebenfalls für den Wirbelkanal gilt. Umgekehrt verhält es sich bei den Wirbeldeckplatten. Sie werden nach unten hin immer größer, da sie dort größere Lasten zu tragen haben.

Zwischen jeweils zwei Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben, die zur Dämpfung des Systems dienen. Bei den Bandscheiben ist es wichtig, dass sie gleichmäßig belastet werden. Andernfalls wird der Gallertkern, der sich im Innern der Bandscheibe befindet, nach außen gedrückt, was schlimmstenfalls zu einem Bandscheibenvorfall führen kann. Dann tritt das Gewebe aus der Bandscheibe heraus und kann auf die Nervenbahnen des Rückenmarks drücken, was mit starken Schmerzen verbunden ist. In einem solchen Fall ist es besonders wichtig, dass die Wirbelsäule in ihrer physiologischen Form gelagert wird, da sonst der Druck auf die Nervenbahnen erhöht werden kann.

Aus diesen anatomischen Besonderheiten der Wirbelsäule ergeben sich einige Konsequenzen für das Liegen auf einer Matratze. In der Seitenlage sollte die Wirbelsäule gerade verlaufen, wenn nicht bereits eine Skoliose vorliegt. Durch eine ungeeignete Liegefläche kann die Wirbelsäule in eine Bogenspannung gebracht werden, was zu einer ungleichmäßigen und damit ungünstigen Beanspruchung der Bandscheiben führt.
Ebenso wichtig ist die physiologische Lagerung der Wirbelsäule in Rückenlage. Als Negativbeispiel gilt zumeist eine stark durchhängende Matratze, bei der sowohl die Brustkyphose als auch die Lendenlordose unterdrückt werden. Eine optimale Liegefläche muss sich der physiologischen Form des menschlichen Körpers anpassen. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, muss eine Matratze punktelastisch und nicht flächenelastisch sein. Das bedeutet, wenn eine Kraft an einem Punkt wirkt, dann darf die Matratze nur an diesem Punkt elastisch nachgeben und nicht über eine große Fläche, wie es in dem Negativbeispiel der Fall ist. Das bedeutet auch, dass der Bezug einer Matratze elastisch sein muss, da andernfalls mögliche punktelastische Eigenschaften des Matratzenkerns nicht zum Tragen kommen.

Insgesamt sind alle diese Anforderungsprofile darauf ausgerichtet, den Maximaldruck zu senken, indem die Kraft auf eine größere Fläche verteilt wird. Dennoch ist es nicht möglich und auch nicht wünschenswert, dass der Druck an allen Körperstellen gleich groß ist, denn beispielsweise kann das Gesäß mehr Druck vertragen als der Lendenwirbelsäulenbereich. Aber durch eine günstige Abstützung auch dieses Bereichs (Stützfaktor) kann eine optimale Kraftverteilung erreicht werden.

 
Biomechanische Meßmethoden

Bevor die Merkmale des optimalen Liegens erläutert werden sollen, geht es um die Methoden, mit deren Hilfe die Qualität einer Liegeunterlage abgeschätzt werden kann. Da die Stellung der Wirbelsäule von außen nicht unbedingt zu sehen ist, was noch deutlicher für die Druckverteilung zwischen Mensch und Matratze Gültigkeit besitzt, sind objektive Meßmethoden erforderlich.

Zur Messung des Wirbelsäulenverlaufs in Seitenlage wird im Liegelabor zumeist ein Winkelmesser eingesetzt, der im wesentlichen aus zwei Komponenten besteht. Die erste Komponente ist ein kleiner schalenförmiger Block, der von hinten auf die Wirbelsäule aufgesetzt wird, so dass das Messgerät und der Verlauf zweier benachbarter Wirbelkörper die gleiche Stellung im Raum aufweisen. Das zweite Element ist der eigentliche Sensor, der über die Erfassung der Beschleunigung die Stellung im Erdfeld ermittelt. Wenn also die Wirbelsäule gerade verläuft, steht das Messgerät genau waagerecht im Erdfeld, und es wirkt die volle Erdbeschleunigung. Verläuft die Wirbelsäule nicht gerade dann wirkt lediglich ein Teil der Erdbeschleunigung auf den Sensor, und über diesen Anteil ist die Winkelstellung zu ermitteln. Eine einfachere Methode ist das Abkleben der Wirbelkörper mit Leuchtpunkten und das erfassen mit einer Kamera. Auch hier ist in Seitlage die gerade Ausrichtung klar zu erkennen.

Die Messung der Druckverteilung und des Stützfaktors wird über eine computergestützte Liegediagnose durchgeführt. Den Kernpunkt bildet eine mit Sensoren ausgestattete Messmatte. 

Zusammenfassend kann gesagt werden. Es gibt keine gute oder schlechte Matratze, kein gutes oder schlechtes Liegesystem. Beides muss über eine sorgfältige Analyse individuell brauchbar für den Einzelnen ermittelt werden. Dabei sind aber drei Voraussetzungen zu erfüllen:

* optimale Druckverteilung
* geeigneter Stützfaktor
* physiologisch richtige Lage der Wirbelsäule

Ohne genaue individuelle Liegediagnose kann eigentlich nur eine Pauschalaussage getroffen werden, der die wissenschaftliche Genauigkeit fehlt. So verwundert es auch nicht, dass die Stiftung Warentest ein miserables Urteil über den Bettenfachhandel abgegeben hat.

 
Matratzenbewertung unter Hinzuziehung der erarbeiteten Kriterien:

Federkernmatratzen haben in der Regel  gute körperunterstützende Eigenschaften, sind aber meist sehr fest. Einfache Federkernmatratzen reagieren flächenelastisch und sind dadurch für die Körperanpassung schlecht geeignet.
Sie passen sich verstellbaren Lattenrosten nicht so gut an wie Latex- oder Schaumstoffmatratzen. Bei Taschenfederkernen muss auf den Abstand der Lat­ten geachtet werden, damit die einzelnen Federtaschen nicht eingeklemmt werden.

Naturmatratzen
Die körperunterstützenden Eigenschaften von Matratzen, die aus Baumwoll-, Kokos­faser-, Stroh- oder Roßhaarkernen beste­hen, sind höchst unterschiedlich. Generell sind die „alternativen" Matratzen aus Na­turmaterialien eher zu hart und unelastisch und daher nicht optimal körperun­terstützend.
Vor allem Rosshaarmatratzen bilden im Dauergebrauch relativ schnell Vertiefungen und Mulden mit der Folge, dass sie sich nicht mehr dem Körper anpassen und Lageveränderungen behindern. Die Matratzen müssen häufig gewendet und schließlich ausgewechselt werden.
Es kann zu Schimmelbildung kommen. Hausstaubmilben lieben Naturfasermatratzen ganz besonders, was ein zusätzliches Problem für Allergiker darstellt.
Schwergewichtige Menschen sollten vor allem Futons mit reiner Baumwollfüllung meiden.

Latex- und Schaumstoffmatratzen (PUR)
Gute bis sehr gute körperunterstützende Eigenschaften haben Latex- beziehungsweise Schaumstoffmatratzen. Ohne individuelle Liegediagnose ist aber kaum der richtige Stützfaktor zu finden. Defizite bestehen auch in der Auswahl der richtigen Stauchhärte.

Kaltschaummatratzen
Haben den Vorteil individuell ausgerichtet werden zu können. Zwingend notwendig aber auch hier die genaue Liegediagnose und Bestimmung des Stützfaktors. In der Druckverteilung schon annähernd optimal, braucht dann aber den ausgleichenden Unterbau.

Viscoelastische Schaumstoffmatratzen
Viscomatratzen geben eine sehr gute Unterstützung und leisten auch eine gute Druckverteilung. Ein individueller Stützfaktor kann fast immer nur in Kombination mit anderen Materialien z.B.: Kaltschaum mittels einer genauen Liegediagnose erreicht werden. Außerdem erschweren Viscomatratzen den für die Spannung und Entspannung von Muskeln und Bandscheiben wichtigen Lagewechsel im Schlaf. Sind überwiegend engporig und verhindern die Luftzirkulation.

Wassermatratzen
Grundsätzlich könnten Wassermatratzen die geforderten Kriterien erfüllen. Voraussetzung aber sind Genauigkeit und Sorgfalt bei der Herstellung, Materialbeschaffenheit und individuelle Befüllung! Ansonsten können Schläfer auf Wasserbetten zu sehr einsinken, so dass die Wirbelsäule nicht in ihrer natürlichen Krümmung liegt.

Luftbetten
Können ebenfalls die geforderten Kriterien erfüllen. Vorteil hier ist ebenso wie beim Wasserbett die individuelle Druckeinstellung des Systems. Der Liegekomfort wird aber eindeutig auch durch die umgebenden Materialien des Luftkerns bestimmt. Eine zusätzliche Lordoseunterstützung des Kerns sollte mit in den Luftkern integriert sein.

 
Schlussbemerkung

In diesem Dschungel ist es für den Endverbraucher nicht möglich das für ihn richtige Schlafsystem zu finden. Zum einen weil ein kurzes Probeliegen so gut wie keine Erkenntnisse bringen kann, zum anderen weil die notwendige Messtechnik nirgendwo vorhanden ist.

Bedacht werden muss auch, dass neben den technischen Eigenschaften eines Schlafsystems, welche die physiologischen und orthopädischen Liegeeigenschaften beeinflussen, die emotionalen Unterschiede der Matratzen auch hier nicht beschrieben wurde und nicht beschrieben werden kann, da jeder Mensch ein anderes empfinden hat.

Letztlich bleibt nur die Lösung eines mehrwöchigen Probeschlafens auf mehreren Systemen um dann im direkten Vergleich der Testphasen, das Bett zu finden, dass sowohl dafür sorgt, morgens ohne Verspannungen und Rückenschmerzen zu erwachen, als auch das Wohlbefinden fördert. Die Beste Matratze bringt dem Schläfer gar nichts, wenn er sich nicht darauf wohlfühlt.

Wir hoffen Ihnen mit dieser kleinen Broschüre die Geheimnisse des gesunden Schlafes etwas näher gebracht zu haben und empfehlen Ihnen zusätzlich die
Broschüre „Schlafen lernen“ mit nützlichen Tipps für eine angenehme Nacht.

 
 
 
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